22.4 C
Garbsen
Montag, September 7, 2026
Start Aktuelles Streit um Eilenriedestadion – TSV Havelse fordert vom DFB nachvollziehbare Entscheidung

Streit um Eilenriedestadion – TSV Havelse fordert vom DFB nachvollziehbare Entscheidung

Der Deutsche Fußball-Bund hat eine Verlegung der kommenden Begegnungen in das Eilenriedestadion zunächst abgelehnt./GCN

Garbsen/Hannover – Der TSV Havelse muss seine Heimspiele in der 3. Liga vorerst weiterhin in der Heinz von Heiden Arena austragen. Der Deutsche FuĂźball-Bund hat eine Verlegung der kommenden Begegnungen in das Eilenriedestadion zunächst abgelehnt. Der Verein widerspricht jedoch der Darstellung, die Spielstätte erfĂĽlle die erforderlichen Sicherheitsanforderungen, und fordert vom DFB eine konkrete BegrĂĽndung.

Nach Angaben des Verbandes bestehen an den neu aufgebauten Zusatztribünen noch Abweichungen von den DFB-Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen. Diese beträfen insbesondere den Brandschutz sowie die statischen Voraussetzungen hinsichtlich der Windlast. Bis zur vollständigen Umsetzung der geforderten Maßnahmen und dem Nachweis der Drittligatauglichkeit sollen die Spiele deshalb in der großen Arena von Hannover 96 stattfinden.

Der TSV Havelse stellt die Situation anders dar. Nach Angaben des Vereins wurden die Zusatztribünen bereits am 31. Juli 2026 von der Landeshauptstadt Hannover genehmigt. Der Brandschutznachweis sei behördlich geprüft, die Statik von einem unabhängigen Prüfingenieur bestätigt worden. Außerdem habe die Feuerwehr Hannover die Anlage begangen und schriftlich bestätigt, dass sie den brandschutzrechtlichen Vorschriften entspreche.

Auch der TÜV Nord habe nach Darstellung des Vereins bestätigt, dass Bauart und Material den Tribünen entsprächen, die bereits während der vergangenen beiden Spielzeiten im Eilenriedestadion für Drittligaspiele genutzt worden seien.

Behördliche Genehmigung und DFB-Zulassung

Im Mittelpunkt des Konflikts stehen offenbar zwei unterschiedliche Genehmigungsverfahren. Während der TSV auf die Prüfungen und Genehmigungen der zuständigen Behörden verweist, verlangt der DFB für den Spielbetrieb in der 3. Liga zusätzlich die vollständige Erfüllung seiner verbandsrechtlichen und infrastrukturellen Vorgaben.

Der Verein erhielt seine Zulassung für die Saison 2026/27 zunächst auf Grundlage der Heinz von Heiden Arena als Heimspielstätte. Für das Eilenriedestadion ist deshalb eine zusätzliche Freigabe durch den Verband erforderlich.

Die vom DFB beanstandeten Voraussetzungen zur Windlast stellen nach Auffassung des TSV keinen statischen Mangel dar. Es handele sich vielmehr um eine behördlich festgelegte Betriebsgrenze, wie sie bei mobilen Tribünen üblich sei. Diese werde über ein mit den Sicherheitsträgern abgestimmtes Betriebskonzept berücksichtigt. Mit einem bereits zugesagten Umbau solle die Einschränkung vollständig beseitigt werden.

ZusatztribĂĽnen sollten geschlossen bleiben

Der TSV hatte beantragt, die Heimspiele gegen Waldhof Mannheim, die SG Sonnenhof Großaspach und Fortuna Köln im Eilenriedestadion auszutragen. Nach Angaben des Vereins sollten die mobilen Zusatztribünen bei diesen Begegnungen vollständig geschlossen bleiben.

Gespielt worden wäre demnach ausschließlich unter Nutzung der fest installierten Tribünen. Deren Kapazität hätte nach Einschätzung des Vereins für die erwarteten Zuschauerzahlen einschließlich der Gästefans ausgereicht. Die vom DFB angesprochenen Beanstandungen an den Zusatztribünen hätten diese Spiele daher aus Sicht des TSV nicht betroffen.

Der DFB geht in seiner öffentlichen Stellungnahme auf dieses Argument nicht im Detail ein. Der Verband erklärt lediglich, die geltenden statutarischen Vorgaben ließen eine Austragung im Eilenriedestadion zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu.

Nach Angaben des TSV habe der Verein den DFB mehrfach darum gebeten, die konkrete Vorschrift zu benennen, aus der sich die verlangten Umbauten ergeben. Eine entsprechende Antwort stehe bislang aus. Unabhängig davon habe der Verein zugesagt, die zusätzlich geforderten Änderungen umzusetzen.

Unterschiedliche Fristen fĂĽr die beantragten Spiele

Der Antrag auf Verlegung der drei Begegnungen wurde nach Vereinsangaben am 20. August gestellt. Für Spielortverlegungen verlangt der DFB grundsätzlich einen Vorlauf von mindestens vier Wochen. Zusätzlich müsse unter anderem wegen der TV-Produktion und der erforderlichen Zustimmung des jeweiligen Gegners ein organisatorischer Vorlauf von mindestens zehn Tagen gewährleistet sein.

Für die Spiele gegen Waldhof Mannheim am 30. August und die SG Sonnenhof Großaspach am 12. September wurde die Vierwochenfrist nicht eingehalten. Anders sieht es beim Heimspiel gegen Fortuna Köln am 19. September aus. Dieser Antrag ging nach Angaben des Vereins rechtzeitig ein.

Der TSV erwartet deshalb zumindest für die Begegnung gegen Fortuna Köln eine erneute und nachvollziehbar begründete Entscheidung des DFB.

Umbauten sollen bis Oktober abgeschlossen sein

Die mobilen Zusatztribünen waren nach dem zunächst feststehenden sportlichen Abstieg des TSV Havelse wieder abgebaut worden. Nachdem der Verein aufgrund der Lizenzentscheidung gegen 1860 München doch in der 3. Liga verbleiben konnte, mussten sie innerhalb kurzer Zeit erneut aufgebaut werden. Zwischen der endgültigen Entscheidung und dem Saisonstart lagen nur wenige Wochen.

Nach Angaben des TSV sollen die vom DFB zusätzlich gewünschten Anpassungen einschließlich aller Nachweise spätestens bis zum Heimspiel gegen die Würzburger Kickers Mitte Oktober abgeschlossen sein. Hannover 96 unterstütze den Verein bei der Umrüstung.

Der DFB spricht in seiner Mitteilung von einer Umsetzung bis Anfang Oktober. Bis dahin sollen die Heimspiele weiterhin in der Heinz von Heiden Arena stattfinden. Davon betroffen sind nach aktuellem Stand die Begegnungen gegen Waldhof Mannheim, Großaspach und Fortuna Köln.

Zusätzliche finanzielle Belastung für den Verein

Für den TSV Havelse ist die weitere Nutzung der rund 49.000 Zuschauer fassenden Heinz von Heiden Arena mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Neben der Stadionmiete fallen unter anderem höhere Ausgaben für Sicherheit, Personal und den Spieltagsbetrieb an. Konkrete Zahlen zu den zusätzlichen Kosten hat der Verein bislang nicht genannt.

Ursprünglich war vorgesehen, die große Arena von Hannover 96 lediglich für einzelne Spiele mit erhöhtem Zuschauer- oder Sicherheitsaufkommen zu nutzen. Die übrigen Heimspiele sollten wie bereits in der vergangenen Saison im deutlich kleineren Eilenriedestadion stattfinden.

„Wir streiten nicht über Sicherheit. Über die Sicherheit haben die Fachleute entschieden, die dafür Verantwortung tragen, und ihr Urteil liegt schriftlich vor. Wir streiten darüber, dass ein Verband Anforderungen stellt, die er auf Nachfrage nicht begründet“, erklärt der erste Vorsitzende des TSV Havelse, Daniel Wolter.

Der Verein führt nach eigenen Angaben das laufende Widerspruchsverfahren fort. Er verlangt vom DFB eine begründete Entscheidung über das Heimspiel gegen Fortuna Köln und eine verbindliche Zusage, dass das Eilenriedestadion nach Umsetzung der verlangten Maßnahmen ohne weitere neue Anforderungen für den Drittligaspielbetrieb zugelassen wird.

GCN/bs