Garbsen/Mitte – Rund 200 Kinder sollen im Ganztag betreut werden. Eltern kritisieren die geplanten Speiseräume und fordern die Nutzung eines zusätzlichen Raumes. Besonders betroffen ist ein Mädchen im Rollstuhl, das die vorhandene Behindertentoilette nach Angaben seiner Mutter nicht selbstständig nutzen kann. Die Stadt hält die räumlichen Voraussetzungen weiterhin für ausreichend.
Garbsen. Mit dem neuen Schuljahr startete an der Grundschule Garbsen-Mitte der Ganztagsbetrieb. Grundsätzlich begrüßen die Eltern das Angebot. Gleichzeitig äußern sie deutliche Bedenken hinsichtlich der Raumplanung, der Mittagsverpflegung und insbesondere der Barrierefreiheit.
Bereits am 18. Juni 2026 hatte sich die Elternvertretung des Ganztagsausschusses mit einem ausführlichen Schreiben an die Stadt Garbsen gewandt. Vorausgegangen war nach Angaben der Eltern eine gemeinsame Besichtigung der Räume mit Elternvertretern, Lehrkräften und der Koordinatorin des Ganztagsträgers Johanniter.
Während zuvor rund 60 Kinder im Hort betreut worden seien, gehe es nun um annähernd 200 Schülerinnen und Schüler. Nach Ansicht der Eltern reichen die vorgesehenen Räume für einen modernen und funktionierenden Ganztagsbetrieb nicht aus.
Eltern wünschen Raum 6 als zentralen Speiseraum
Im Mittelpunkt der Diskussion steht der sogenannte Raum 6 in einem angrenzenden Bereich der ehemaligen Volkshochschule. Die Eltern halten diesen Raum für deutlich besser geeignet, um ihn als zentralen Speise- und Gemeinschaftsraum zu nutzen.
Nach ihrer Einschätzung ermöglichen die Größe des Raumes sowie die vorhandenen Fenster eine sichere Nutzung unter Berücksichtigung der Flucht- und Rettungswege und eine ausreichende Belüftung nach den Mahlzeiten.

Auch der Bodenbelag sei hygienisch besser für eine Mensanutzung geeignet als der Teppichboden in einem der bislang vorgesehenen Speiseräume. Die Eltern fragen deshalb, wie und durch wen dessen regelmäßige Tiefenreinigung gewährleistet und finanziert werden soll.
Eine gemeinsame Essenssituation wäre aus ihrer Sicht zudem organisatorisch effizienter und pädagogisch wertvoller. Gleichzeitig könnten die übrigen Räume vollständig für Betreuung, Lernen und Freizeit genutzt werden – insbesondere während der Wintermonate ein wichtiger Vorteil.
Schwere Tür erschwert den Zugang zur Toilette
Besonders betroffen von der derzeitigen Planung ist ein Mädchen, das auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Zwar befindet sich in dem angrenzenden Gebäudebereich eine Behindertentoilette. Der Zugang führt jedoch durch eine schwere Zwischentür.
Im Gespräch mit Garbsen-City-News schilderte Nina W., die Mutter des Mädchens, die Situation: „Die Tür zur Behindertentoilette ist schon für ein Kind ohne Rollstuhl so gut wie nicht zu öffnen, weil sie so schwer ist. Das ist das eine Problem. Außerdem handelt es sich um eine Behindertentoilette für Erwachsene. Unsere Tochter hätte Schwierigkeiten, diese Toilette allein zu benutzen. Sie bräuchte jedes Mal Hilfe.“

Wäre Raum 6 in den Ganztagsbereich einbezogen worden, hätte diese Zwischentür nach Einschätzung der Eltern offen bleiben können. Dies hätte dem Mädchen zumindest den Zugang zur Behindertentoilette erleichtert.
Die Familie verweist außerdem darauf, dass ein künftig geplanter Neubau die aktuelle Situation nicht löse. „Immer wird uns gesagt, dass die Schule ja bald abgerissen wird und dann ohnehin alles neu kommt. Aber davon hat meine Tochter heute und in den nächsten Jahren nichts. Bis es so weit ist, wird es noch dauern“, erklärt Nina W.
Eltern sehen angekündigte Klärung nicht erfolgt
Nach Angaben der Mutter hatten die Eltern bereits vor dem öffentlichen Leserbrief zwei ausführliche E-Mails an die Stadt geschickt und um Klärung gebeten.
„Geklärt wurde nichts, auch wenn es bei der Besichtigung vor ein paar Monaten anders versprochen wurde“, so Nina W.
Die Eltern forderten die Stadt auf, einen dauerhaft barrierefreien Zugang zur Toilette sicherzustellen und Raum 6 als Speise- und Gemeinschaftsraum freizugeben. Alternativ schlugen sie einen ausreichend dimensionierten und fest zugewiesenen Bereich in der Mensa vor.
Nachdem die Stadt die Forderung zunächst abgelehnt hatte, trugen die Eltern ihre Bedenken in einem weiteren Schreiben erneut vor. Daraufhin überprüfte die Verwaltung die Situation nach eigener Aussage ein weiteres Mal, blieb jedoch bei ihrer bisherigen Bewertung.
Stadt hält Voraussetzungen für ausreichend
Nach Einschätzung der Stadt stehen der Grundschule ausreichend Räume für einen ordnungsgemäßen Ganztagsbetrieb zur Verfügung. Neben den allgemeinen Unterrichtsräumen könnten auch die ehemaligen Horträume vollständig genutzt werden. Die Einbeziehung allgemeiner Unterrichtsräume entspreche den landesrechtlichen Vorgaben und der üblichen Praxis an Ganztagsschulen in Niedersachsen.
Für die Mittagsverpflegung sind nach Angaben der Verwaltung zwei Räume mit einer Gesamtfläche von rund 150 Quadratmetern und mindestens 110 Sitzplätzen vorgesehen. Bei rund 190 angemeldeten Ganztagskindern, von denen 152 an allen fünf Tagen teilnehmen, könne das Mittagessen in zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen organisiert werden.

Die Verteilung auf zwei Speiseräume könne nach Auffassung der Stadt die Geräuschentwicklung reduzieren und eine ruhigere Essenssituation schaffen. Eine vollständige Mitnutzung der Mensa der IGS sei wegen fehlender Kapazitäten nicht möglich.
Raum 6 bleibt bei der IGS
Eine Überlassung von Raum 6 an die Grundschule lehnt die Stadt weiterhin ab. Der Raum werde regelmäßig für schulische Zwecke der IGS benötigt und sei fester Bestandteil ihres Raumkonzeptes. Eine dauerhafte Abgabe würde nach Einschätzung der Verwaltung zu Einschränkungen des Schulbetriebs der IGS führen.
Die Stadt erklärt, Ganztagsschulen würden langfristig von einer bedarfsgerechten räumlichen Entwicklung profitieren. Daraus ergebe sich jedoch kein Anspruch auf die Nutzung eines bestimmten Raumes, wenn die erforderlichen Voraussetzungen insgesamt gewährleistet seien.
Unterschiedliche Einschätzungen zur Barrierefreiheit
Auch die Barrierefreiheit sei nach Angaben der Stadt erneut überprüft worden. Der Verwaltung sei bewusst, dass Einrichtungen möglichst selbstständig genutzt werden sollten. Sie gehe jedoch davon aus, dass die vorhandene Lösung den Anforderungen des Schulbetriebs entspreche und eine grundsätzlich barrierefreie Nutzung der Toilette möglich sei.
Genau hier unterscheiden sich die Einschätzungen: Während die Stadt von einer grundsätzlich möglichen Nutzung spricht, erklärt die Mutter, dass ihre Tochter sowohl wegen der schweren Tür als auch aufgrund der für Erwachsene ausgelegten Toilette jedes Mal Hilfe benötigen würde.
Die Stadt kündigte an, den Start des Ganztags aufmerksam zu begleiten und die praktischen Erfahrungen auszuwerten. Sollten sich im laufenden Betrieb dringend erforderliche Änderungen ergeben, würden diese im Rahmen der weiteren Schulentwicklungsplanung berücksichtigt.
Die Eltern wünschen sich dagegen eine Lösung, bevor sich die befürchteten Schwierigkeiten im Alltag zeigen. Sie betonen, dass sie keinen Konflikt zwischen Grundschule, IGS, Ganztagsträger und Stadt herbeiführen wollten. Ihr Ziel sei eine Lösung, durch die alle Kinder möglichst selbstständig und gleichberechtigt am Ganztag teilnehmen können.
„Es sollte darum gehen, dass jedes Kind in Garbsen die gleichen Chancen bekommt – auch ein Kind im Rollstuhl. Das ist keine Sonderforderung. Das ist gelebte Inklusion“, heißt es in ihrem Leserbrief.
Garbsen-City-News hat die Stadt Garbsen zusätzlich um eine Stellungnahme zu den aktuell geschilderten Problemen gebeten. Eine Antwort auf diese redaktionelle Anfrage liegt bislang nicht vor. Sobald sie eingeht, werden wir die Berichterstattung ergänzen.
GCN/bs












