
Garbsen – Umstrittener Zuschuss – Stadt Garbsen unterstützt TSV Havelse mit bis zu 200.000 Euro für Rasensanierung im Eilenriedestadion.
SPD und CDU setzen Dringlichkeitsantrag durch – Alle anderen Fraktionen stimmen dagegen
Der Rat der Stadt Garbsen hat einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 150.000 bis maximal 200.000 Euro für den TSV Havelse beschlossen. Grundlage war ein gemeinsamer Dringlichkeitsantrag von SPD und CDU, der trotz Gegenstimmen der übrigen Fraktionen mehrheitlich verabschiedet wurde.
Der Zuschuss dient der Sanierung beziehungsweise vollständigen Erneuerung der Rasenfläche im Eilenriede-Stadion in Hannover, in dem der TSV Havelse derzeit seine Heimspiele austrägt. Nach intensiver Nutzung – insbesondere durch die Drittligaspiele – entspricht das Spielfeld nach Darstellung im Antrag nicht mehr den erforderlichen sicherheitsrelevanten Standards. Zudem besteht laut geltender Regelung beziehungsweise Vereinbarung die Vorgabe, das Spielfeld nach entsprechender Nutzung zu erneuern.
Die geschätzten Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf bis zu 200.000 Euro. Die Erneuerung der Rasenfläche soll nach Abschluss der laufenden Saison erfolgen.
Hintergrund: Heimspiele nicht in Garbsen möglich
Der TSV Havelse spielt in der laufenden Saison in der 3. Bundesliga. Da das Wilhelm-Langrehr-Stadion in Garbsen die infrastrukturellen Anforderungen der Liga derzeit nicht vollständig erfüllt, wurden die Heimspiele vertraglich ins Eilenriede-Stadion verlegt. Für jedes ausgetragene Heimspiel ist eine entsprechende Nutzungsgebühr an Hannover 96 zu entrichten.
CDU spricht von „Hilferuf“ – SPD betont Werbewirkung
Heinrich Dannenbrink (CDU) sprach im Rat von einem „Hilferuf“ des Vereins und verwies auf die besondere Belastungssituation durch das Ausweichen nach Hannover. Er betonte, dass auch andere Kommunen Investitionen tätigten, um ihre Profi-Vereine in höheren Ligen zu unterstützen.
Rüdiger Kauroff (SPD) hob die Außenwirkung hervor: Die Zugehörigkeit zur 3. Liga bringe überregionale Aufmerksamkeit und sei werbewirksam für Garbsen.
Grüne: Gleichbehandlung im Blick
Dirk Grahn (Grüne) stellte klar, seine Fraktion sei keine „Fußballfeinde“. Man erkenne den sportlichen Erfolg ausdrücklich an. Allerdings verwies er darauf, dass Verträge zur Nutzung und zu den entstehenden Kosten unterschrieben worden seien. Zudem gebe es rund 13.000 Menschen in Garbsen, die in Vereinen aktiv sind – auch dort bestehe Investitionsbedarf. Vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung und der angespannten Haushaltslage lehnten die Grünen den Antrag ab.
FDP fordert Transparenz und rechtliche Prüfung
Florian Koschik (FDP) würdigte den TSV Havelse als sportliches Aushängeschild, betonte jedoch, dass der Rat für verantwortungsvolle Haushaltsführung zuständig sei. Es handele sich um eine freiwillige Leistung in einer angespannten Haushaltslage, zudem würden Mittel außerhalb des Stadtgebiets eingesetzt.
Die FDP forderte:
-
vollständige Offenlegung der wirtschaftlichen Situation,
-
einen substanziellen Eigenanteil,
-
Prüfung alternativer Finanzierungsquellen (Sponsoren, Verbandsmittel, Partner),
-
eine rechtssichere Bewertung nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz unter Wahrung von örtlichem Bezug und Gleichbehandlung.
Solange diese Punkte nicht geklärt seien, sei eine Zustimmung nicht verantwortbar.
Unabhängige und AfD ebenfalls dagegen
Günther Petrak (Unabhängige) verwies darauf, dass bereits beim früheren Drittligaufstieg Steuermittel in ähnlicher Größenordnung (damals waren es 120.000 Euro) geflossen seien. Angesichts von Einnahmen – insbesondere aus TV-Rechten – müsse ein Profi-Verein selbst Verantwortung übernehmen.
Auch Manfred Kammler (AfD) erklärte, ein Profi-Verein müsse eigenständig wirtschaften. Beide Fraktionen stimmten gegen den Antrag.
Sportliche Lage verschärft die Grundsatzfrage
Sportlich kämpft der TSV Havelse derzeit um den Klassenerhalt in der 3. Liga und steht aktuell auf einem Abstiegsplatz. Sollte der Klassenerhalt gelingen, würde sich die Problematik in der kommenden Saison erneut stellen.
Damit bleibt neben der sportlichen Situation auch die politische Grundsatzfrage bestehen, wie dauerhaft die 3.-Liga-Teilnahme des TSV Havelse wirtschaftlich tragfähig ist – und welche Rolle die Stadt Garbsen dabei künftig übernehmen will.
GCN/bs

















