
Garbsen-Mitte – Polleranlage am Rathausplatz deutlich teurer als geplant – Stadt nennt Gesamtkosten, CDU übt Kritik.
Garbsen-Mitte. Die Stadt Garbsen hat am 28. Januar 2026 die endgültigen Kosten für die baulichen Sicherheitsmaßnahmen auf dem Rathausplatz veröffentlicht. Nach Vorlage der Schlussrechnung belaufen sich die Gesamtausgaben für das Projekt auf rund 490.000 Euro. Bereits im November hatte die Stadt über den Einbau moderner Sicherheitspoller sowie ergänzende Schutzmaßnahmen informiert, damals jedoch nur Teilkosten genannt.
Wie die Stadt nun mitteilt, bezogen sich die ursprünglich kommunizierten Beträge auf die sichtbaren Hauptbestandteile der Maßnahme – die Polleranlage selbst sowie die Betonschutzwand. Inzwischen seien jedoch sämtliche Abrechnungen für weitere, zwingend notwendige Begleit- und Anschlussarbeiten eingegangen, die nun in die Gesamtsumme eingeflossen sind.
Zusätzliche Arbeiten treiben Kosten nach oben
Zu den zusätzlichen Kosten zählen unter anderem umfangreiche Boden- und Aushubarbeiten, der Bau massiver Betonfundamente sowie technische Zusatzelemente wie Schaltschränke, Funkempfänger und Sender für die versenkbaren Poller. Nach Angaben der Stadt sind diese Arbeiten Voraussetzung dafür, dass die Anlage im Ernstfall ihre Schutzwirkung zuverlässig erfüllen kann.
Stadtbaurat Olaf Freitag betont, dass es sich bei der installierten Anlage um eine technisch anspruchsvolle Sicherheitslösung handele: Eine Polleranlage, die auch den Aufprall eines schweren Fahrzeugs aufnehmen und stoppen könne, sei nicht mit einfachen oder provisorischen Mitteln umzusetzen. Wer einen zentralen Veranstaltungsort heute wirksam schützen wolle, benötige eine äußerst stabile und ausgereifte Technik.
Vorsorgliche Maßnahme ohne konkrete Gefährdungslage
Der Rathausplatz dient regelmäßig als Veranstaltungsort für größere Events wie Konzerte der Reihe GarbsenLive, Sportveranstaltungen und den Garbsener Weihnachtszauber. Ziel der Maßnahme ist es laut Stadt, die Sicherheit für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende zu erhöhen, das unberechtigte Befahren des Platzes zu verhindern und Besucherinnen und Besucher bestmöglich zu schützen.
Konkrete Hinweise auf eine Gefährdungslage für Garbsen gebe es nicht. Die Stadt handele vorsorglich und auf Grundlage von Erfahrungen aus anderen Kommunen sowie in enger Abstimmung mit der Polizeiinspektion Garbsen und dem Landeskriminalamt Niedersachsen. Auf Empfehlung der Sicherheitsbehörden sei die ursprünglich geplante Zahl der Poller im Verlauf der Planung erhöht worden.
Bürgermeister Claudio Provenzano erklärt, es sei bedauerlich, dass solche Sicherheitsvorkehrungen heute notwendig seien. Die Investition sei jedoch gut angelegtes Geld für sichere Veranstaltungen, einen geschützten Rathausplatz und das Vertrauen der Menschen, die sich dort aufhalten. Vergleichbare Maßnahmen seien in den vergangenen Jahren auch in anderen Städten ähnlicher Größe umgesetzt worden, etwa in Minden, Bad Kreuznach oder Lörrach.
CDU Garbsen kritisiert Vorgehen und Kostenentwicklung
Am selben Tag erreichte die Redaktion von Garbsen-City-News eine kritische Stellungnahme der CDU Garbsen. Die Fraktion spricht von einer „Kostenexplosion“ und wirft der Verwaltung mangelnde Transparenz vor. Nach Darstellung der CDU sei erst auf Anfrage mitgeteilt worden, dass die tatsächlichen Kosten nicht bei rund 225.000 Euro, sondern bei knapp einer halben Million Euro liegen. Dies entspreche einer Steigerung von rund 120 Prozent.
Die CDU kritisiert zudem, dass Haushaltsmittel verwendet worden seien, die ursprünglich für andere Maßnahmen vorgesehen waren. Kostengünstigere Alternativen, wie sie in anderen Städten zum Einsatz kämen, seien aus Sicht der Fraktion nicht ausreichend geprüft worden. Darüber hinaus seien der Rat und der Verwaltungsausschuss nicht in die Entscheidung eingebunden und nicht rechtzeitig über die Kosten informiert worden.
Christof Wenzel (CDU) erklärt, durch die höheren Ausgaben fehle nun Geld an anderer Stelle, etwa für den Ausbau von Kitas oder die Sanierung von Schulen. Er sieht darin ein Zeichen für eine aus seiner Sicht problematische Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsspitze und politischen Gremien.
Nutzung des Platzes bleibt uneingeschränkt möglich
Unabhängig von der politischen Bewertung teilt die Stadt mit, dass der Rathausplatz weiterhin uneingeschränkt genutzt werden kann. Insgesamt wurden 21 Poller installiert, davon sieben hydraulisch versenkbar. Ergänzt wird die Anlage durch eine Betonschutzwand an der Westseite des Platzes, die noch begrünt werden soll. Fuß- und Radverkehr sind weiterhin möglich, Einsatz- und Rettungsfahrzeuge haben im Bedarfsfall jederzeit Zugang.

Die Diskussion um Kosten, Transparenz und Entscheidungswege dürfte angesichts der höheren Kosten weitergeführt werden. Die Stadt verweist derweil auf den abgeschlossenen Einbau der Anlage und den aus ihrer Sicht gewonnenen Sicherheitsgewinn für einen zentralen Ort des öffentlichen Lebens in Garbsen.
GCN/bs

















