
GARBSEN – Mit 60 Euro, ohne Handy und voller Mut – IGS-Schüler starten in das Abenteuer ihres Lebens.
Unter dem Jubel hunderter Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrkräfte sind am Freitag vier Gruppen der IGS Garbsen in ein ganz besonderes Abenteuer gestartet. Beim Projekt „Herausforderung“ verlassen die Jugendlichen für acht Tage ihre gewohnte Umgebung, verzichten komplett auf ihre Handys und müssen mit einem Budget von lediglich 60 Euro auskommen. Was zunächst wie eine ungewöhnliche Klassenfahrt klingt, ist in Wirklichkeit ein außergewöhnliches Bildungsprojekt, das Mut, Selbstständigkeit und Teamgeist fördern soll.
Bereits seit Februar hatten die Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen Herausforderungen vorbereitet. In wöchentlichen Arbeitsgemeinschaften planten sie ihre Projekte eigenständig – von der Anreise über Unterkünfte und Verpflegung bis hin zur Finanzierung. Unterstützt wurden sie dabei vom „Herausforderung“-Team der IGS Garbsen mit Kristina Kolms, Inga Lazic und Robin Reiter.
Nach monatelanger Vorbereitung mussten die Jugendlichen ihre Konzepte schließlich einem Prüfungskomitee vorstellen. Erst nach erfolgreicher Präsentation erhielten die Gruppen die Freigabe für die Umsetzung ihrer Vorhaben.
Der Startschuss fiel heute, am Freitag, 19. Juni. Zuvor hatte die Schule zum „größten Spalier ever“ aufgerufen. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler sowie viele Lehrkräfte folgten dem Aufruf und verabschiedeten die Teilnehmenden mit lang anhaltendem Applaus. Für viele Beteiligte war es ein emotionaler Moment.
Vier Gruppen, vier völlig unterschiedliche Abenteuer
Die Gruppe „Die Arbeiter“ mit Artimii, Nico, Alexander und Albert macht sich gemeinsam mit den Begleitpersonen Jasmin Friedberg und Robin Reiter auf den Weg zur Reitschule Lichtenhorst. Die Jugendlichen reisen mit dem Fahrrad an, übernachten im Zelt und versorgen sich selbst. Vor Ort unterstützen sie die Stallarbeit und helfen beim Bau eines Containers für die Kinder des Reiterhofs. Die Reitschule beteiligt sich bereits zum zweiten Mal an dem Projekt.
Sportlich wird es bei der Gruppe „Turtle Squad“. Laurin, Louis, Melad, Ole und Tim fahren gemeinsam mit den Lehrkräften Anton Warko und Julius Hinz mit dem Fahrrad von Garbsen bis nach Cuxhaven und wieder zurück. Tagesetappen von bis zu 90 Kilometern, Übernachtungen auf Campingplätzen und Selbstversorgung stehen auf dem Programm. Als Belohnung wartet ein Tag an der Nordsee.
Noch weiter zieht es die Langeoog-Gruppe. Amilia, Lena, Melina und Vanessa reisten bereits in den frühen Morgenstunden mit dem Zug auf die Nordseeinsel, weshalb sie bei der Verabschiedung nicht mehr dabei sein konnten. Gemeinsam mit Lehrerin Wiebke Jonas unterstützen sie dort eine Woche lang ein Erlebnis-Sportcamp. Die Schülerinnen helfen in der Küche und im Zeltlagerbetrieb mit. Um ihre Reise finanzieren zu können, hatten sie sich im Vorfeld zusätzlich Geld verdient – unter anderem durch Babysitten, Autowaschen und Gartenarbeit.

Die wohl längste Wanderung erwartet die „Küstengirls“. Jette, Florentine, Nele und Pia wandern gemeinsam mit Lehrerin Nina Meier auf dem Ostseewanderweg von Ahlbeck bis nach Stralsund. Mit ihrem kompletten Gepäck legen sie täglich zwischen zehn und 21 Kilometer zurück. Übernachtet wird sowohl in Zelten als auch bei Kirchengemeinden entlang der Strecke. Die Anreisekosten hätten das vorgegebene Budget deutlich überschritten. Deshalb suchte die Gruppe nach Sponsoren und fand mit der Seidel Wäscherei Garbsen einen Unterstützer, der das Projekt mit 500 Euro förderte. Als Gegenleistung absolvierten die Schülerinnen dort ein Tagespraktikum.
Lernen fürs Leben statt Lernen im Klassenzimmer
Das Besondere an der „Herausforderung“ ist nicht nur die Reise selbst. Während der gesamten acht Tage bleiben die Smartphones ausgeschaltet. Navigation erfolgt mit Kartenmaterial, Probleme müssen eigenständig gelöst werden und Hilfe gibt es nur durch direkte Gespräche mit anderen Menschen.
Genau darin liegt der pädagogische Gedanke des Projekts. Die Jugendlichen verlassen bewusst ihre Komfortzone und sammeln Erfahrungen, die im normalen Schulalltag kaum möglich sind. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen, mit Rückschlägen umzugehen und als Team zusammenzuarbeiten.
Während viele Gleichaltrige ihre Sommerferien oder Wochenenden digital verbringen, tauschen die Teilnehmer der IGS Garbsen ihr Smartphone gegen Landkarten, Abenteuerlust und echte Begegnungen. Die kommenden acht Tage werden sicherlich anstrengend – aber vermutlich auch unvergesslich.
Als die Schülerinnen und Schüler am Freitag unter dem tosenden Applaus ihrer Schulgemeinschaft aufbrachen, war eines bereits klar: Die eigentliche Herausforderung hat gerade erst begonnen.
GCN/bs















