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Neue schwere Vorwürfe gegen Tatverdächtigen von Stade – Bericht wirft Fragen zur Vorgeschichte auf.

In dieser Einrichtung haben die Getöteten gearbeitet. Am Samstag findet auch in Garbsen eine Gedenkfeier statt/GCN

Garbsen/Region Hannover/Stade – Neue schwere Vorwürfe gegen Tatverdächtigen von Stade – Bericht wirft Fragen zur Vorgeschichte auf.

Im Fall der tödlichen Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade (Wir berichteten) sind neue, schwerwiegende Vorwürfe gegen den 45-jährigen Tatverdächtigen, der aus Garbsen kommen soll, bekannt geworden. Wie zunächst die BILD-Zeitung und inzwischen auch WELT berichten, soll der Mann bereits vor der Tat in der Türkei strafrechtlich in Erscheinung getreten sein. Demnach gehe es unter anderem um frühere Ermittlungen wegen Sexualdelikten sowie um eine Flucht aus der Haft.

Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben durch deutsche Ermittlungsbehörden gibt es bislang jedoch nicht. Die Staatsanwaltschaft Stade wollte sich dazu unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht näher äußern.

Der 45-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, am Montag in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sechs Menschen erschossen zu haben. Unter den Opfern befinden sich auch drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover, die in der Jugendhilfestation Garbsen tätig waren. Die Staatsanwaltschaft geht von sechsfachen Mord aus.

Bericht über Verfahren in der Türkei

Nach dem Bericht der BILD-Zeitung, auf den sich inzwischen auch WELT bezieht, soll der Tatverdächtige in der Türkei in mehreren Verfahren geführt worden sein. Demnach dokumentierten Auszüge aus dem dortigen Justizsystem Verfahren gegen den Mann, unter anderem wegen eines mutmaßlichen Sexualdelikts aus dem Jahr 2007.

Außerdem soll nach diesen Recherchen seit 2022 in der Türkei wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs seiner Tochter aus einer früheren Beziehung gegen ihn ermittelt worden sein. Auch diese Information ist bislang nicht von deutschen Behörden bestätigt worden.

Weiter heißt es in den Berichten, der Mann habe sich zuvor wegen eines anderen Delikts in Untersuchungshaft befunden und sei 2021 aus einem Gefängnis in der Türkei geflohen. Seitdem soll er dort gesucht worden sein.

Deutschen Behörden lagen laut Bericht keine Erkenntnisse vor

Besonders brisant ist die Frage, ob deutschen Behörden mögliche Erkenntnisse über die Vorgeschichte des Mannes bekannt waren. Laut BILD soll die Staatsanwaltschaft Stade erklärt haben, dort lägen keine Erkenntnisse über mögliche Straftaten des Beschuldigten in der Türkei vor. Zugleich wird in dem Bericht darauf hingewiesen, dass der Austausch zwischen deutschen und türkischen Ermittlungsbehörden als schwierig gelte.

Ob und in welchem Umfang frühere Verfahren oder Ermittlungen in der Türkei den zuständigen Stellen in Deutschland tatsächlich bekannt waren oder hätten bekannt sein können, ist derzeit offen.

Ermittlungen in Deutschland konzentrieren sich auf Tat und Vorgeschichte

Unabhängig von den nun veröffentlichten Berichten laufen die Ermittlungen in Deutschland weiter auf Hochtouren. Nach bisherigem Stand steht die Tat im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um die wenige Monate alte Tochter des Tatverdächtigen. Bereits vor der Bluttat war gegen den 45-Jährigen in Deutschland wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener ermittelt worden.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann am Montag gezielt sechs Menschen in der Einrichtung tötete. Nach bisherigen Erkenntnissen sollte dort ein Hilfeplangespräch stattfinden. Drei der Opfer arbeiteten für das Jugendamt der Region Hannover in Garbsen, drei weitere in der betroffenen Einrichtung in Stade.

Auch für Garbsen bleiben viele Fragen offen

Für Garbsen hat der Fall weiterhin eine besondere Tragweite, weil drei der Todesopfer in der Jugendhilfestation Garbsen beschäftigt waren. Mit den neuen Berichten über die Vorgeschichte des Tatverdächtigen stellen sich nun weitere Fragen: Welche Informationen lagen vor der Tat über den Mann vor? Und gab es Hinweise, die für deutsche Behörden relevant hätten sein können?

Antworten darauf gibt es bislang nicht. Klar ist nur: Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Morgen, am Samstag findet in Garbsen, organisiert von der Stadt Garbsen und der Region Hannover eine Trauerfeier statt. Lesen Sie dazu: Nach Gewalttat in Stade – Stadt Garbsen und Region Hannover laden zu interreligiöser Gedenkfeier ein.

GCN/bs