
GARBSEN – Kabarettist und Comedian Dittmar Bachmann erhebt schwere Vorwürfe gegen Garbsens Bürgermeister – CDU fordert Aufklärung der KULTOUR-Affäre.
Eine fast vier Jahre zurückliegende Entscheidung der Stadt Garbsen entwickelt sich mitten im Kommunalwahlkampf erneut zu einem politischen Thema. Auslöser ist ein inzwischen vielfach in den sozialen Netzwerken verbreitetes Video des Garbsener Kabarettisten Dittmar Bachmann. Darin erhebt er schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister Claudio Provenzano (SPD), fordert eine persönliche Entschuldigung und kündigt an, solange keine vollständige Aufklärung erfolgt, das Thema immer wieder öffentlich anzusprechen.
Inzwischen hat auch die CDU Garbsen reagiert. Sie fordert eine Sondersitzung des Rates, hat Akteneinsicht beantragt und verlangt eine umfassende Aufklärung der damaligen Vorgänge.
Der Hintergrund: Satire über den Bürgermeister und eine überraschende Ausladung
Der Ursprung der Geschichte liegt im Bürgermeisterwahlkampf 2021.
Damals veröffentlichte Dittmar Bachmann ein satirisches Video, in dem er sich über den damaligen SPD-Bürgermeisterkandidaten Claudio Provenzano und dessen Wahlkampf lustig machte. Unter anderem bezeichnete er ihn scherzhaft als „Parmesano“ statt Provenzano und nahm dessen Wahlkampfauftritte humorvoll aufs Korn.
Nur wenige Monate später erhielt Bachmann im Sommer 2022 von der Stadt Garbsen eine Zusage für drei Auftritte bei der Veranstaltungsreihe KULTOUR 2022 in Meyenfeld. Ihm wurden bereits Auftrittszeiten, Gage und Veranstaltungsort mitgeteilt, ein schriftlicher Vertrag sollte anschließend erstellt werden.
Wenige Wochen später folgte jedoch überraschend die Absage.
Als Begründung wurde Bachmann damals mitgeteilt, dass für den Veranstaltungsort bereits zuvor ein anderer Künstler verpflichtet worden sei. Gleichzeitig wurde ihm eine Ausfallzahlung angeboten.
Schon 2022 vermutete Bachmann eine Retourkutsche
Bereits damals vermutete Bachmann öffentlich, seine Ausladung könne eine Reaktion auf sein satirisches Video aus dem Bürgermeisterwahlkampf gewesen sein.
Seine zentrale Behauptung lautete schon damals: Bürgermeister Claudio Provenzano habe die Ausladung veranlasst, weil ihm die satirische Auseinandersetzung mit seinem Wahlkampf missfallen habe.
Die Stadt Garbsen wies diese Vorwürfe seinerzeit entschieden zurück. Nach Darstellung der Verwaltung habe es sich um einen internen Kommunikationsfehler gehandelt. Ein Zusammenhang mit dem Bürgermeister oder dem Satirevideo wurde damals ausdrücklich bestritten.
Über die damaligen Ereignisse berichtete auch die HAZ beziehungsweise die Leine-Zeitung. Bachmann erklärt in seinem aktuellen Video, die damalige Berichterstattung habe ihm erheblich geschadet. Weil seine Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen worden seien, habe er nach eigenen Angaben einen erheblichen Imageschaden erlitten. Deshalb wolle er die Angelegenheit nun erneut öffentlich aufarbeiten.
Damit stand damals Aussage gegen Aussage.
Neue Unterlagen bringen Bewegung in den Fall
Nun ist die Angelegenheit erneut ins Rollen gekommen.
Dittmar Bachmann erklärt, ihm seien vor wenigen Tagen von einem anonymen Informanten neue Unterlagen zugespielt worden. Garbsen-City-News liegen diese Unterlagen vollständig vor.
Nach Einschätzung Bachmanns stützen sie seine damaligen Vermutungen.
Zu den Unterlagen gehören unter anderem interne Dokumente und verschiedene Entwürfe der offiziellen KULTOUR-Broschüre. Daraus geht hervor, dass Bachmann zunächst bereits mit Foto und Programm als Künstler für die Veranstaltung vorgesehen war. In einer späteren Fassung wurde sein Auftritt durch einen sogenannten „Überraschungs-Act“ ersetzt.
Die jetzt bekannt gewordenen Unterlagen werfen neue Fragen zum damaligen Ablauf auf. Sie belegen, dass Bachmann zunächst Bestandteil der Veranstaltungsplanung war. Sie belegen jedoch nicht, aus welchem Grund die Änderung vorgenommen wurde oder wer sie letztlich veranlasst hat.
Bachmann erhebt nun deutlich schwerere Vorwürfe
In seinem aktuellen Video auf seinen Social-Media Kanälen geht Bachmann jedoch weit über seine damaligen Vermutungen hinaus.
Er behauptet, die ihm inzwischen vorliegenden Unterlagen würden belegen, dass Bürgermeister Claudio Provenzano persönlich hinter seiner Ausladung gestanden habe. Nach Darstellung Bachmanns sei der Bürgermeister noch immer verärgert über das satirische Video aus dem Bürgermeisterwahlkampf 2021 gewesen und habe deshalb seine Teilnahme an der KULTOUR verhindert.
Darüber hinaus erhebt Bachmann einen weiteren schwerwiegenden Vorwurf. Er behauptet, Provenzano habe Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie den damaligen Pressesprecher Benjamin Irvin angewiesen beziehungsweise dazu veranlasst, eine aus seiner Sicht falsche Darstellung der damaligen Vorgänge öffentlich zu verbreiten.
Außerdem fordert Bachmann den Bürgermeister zu einer persönlichen Entschuldigung auf. Sollte diese ausbleiben, kündigt er an, Provenzano künftig bei öffentlichen Bürgersprechstunden immer wieder mit dem Thema zu konfrontieren und so lange nicht lockerzulassen, bis der Sachverhalt vollständig aufgeklärt sei.
Nach eigenen Angaben hat Bachmann den Vorgang inzwischen außerdem der Kommunalaufsicht der Region Hannover gemeldet und um eine Prüfung gebeten. Auch darüber berichtet er in seinem aktuellen Video. Ob und in welchem Umfang dort bereits Ermittlungen oder Prüfungen aufgenommen wurden, ist derzeit nicht bekannt.
CDU fordert politische Aufarbeitung
Die neuen Entwicklungen beschäftigen inzwischen auch die Kommunalpolitik.
Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Garbsen hat eine Sondersitzung beantragt und fordert eine umfassende Aufklärung der damaligen Vorgänge. Nach Ansicht der CDU bestehen aufgrund der neuen Informationen erhebliche Zweifel an der bisherigen Darstellung der Stadt. Außerdem gehe es um grundlegende Fragen der Transparenz kommunalen Handelns, der politischen Neutralität sowie der Kunst- und Meinungsfreiheit.
Neben einer umfassenden Berichterstattung des Bürgermeisters fordert die CDU unter anderem die Anhörung der damals beteiligten Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie des Kabarettisten Dittmar Bachmann. Parallel dazu wurde Akteneinsicht beantragt.
Stadt Garbsen prüft den Vorgang erneut
Garbsen-City-News hat die Stadt Garbsen unmittelbar nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe um eine Stellungnahme gebeten.
Stadtsprecherin Christina Lange erklärte:
„Das Video von Herrn Bachmann bezieht sich auf Vorgänge, die vor knapp vier Jahren geschehen sind. Wir rekonstruieren gerade den Vorgang, bitten jedoch um Verständnis, dass noch keine detaillierte Stellungnahme möglich ist. Einige der damals handelnden Personen sind auch nicht mehr bei der Stadt Garbsen beschäftigt.“
Eine inhaltliche Bewertung der von Bachmann erhobenen Vorwürfe nimmt die Stadt derzeit noch nicht vor.
Aufklärung steht noch aus
Ob sich die schweren Vorwürfe gegen Bürgermeister Claudio Provenzano bestätigen lassen, ist derzeit offen.
Fest steht jedoch, dass die Angelegenheit inzwischen weit über den ursprünglichen Konflikt zwischen einem Kabarettisten und der Stadtverwaltung hinausgeht. Neue Unterlagen, die Garbsen-City-News vorliegen, das aktuelle Video Bachmanns, die Einschaltung der Kommunalaufsicht nach seinen Angaben sowie die Forderung der CDU nach einer politischen Aufarbeitung haben den Fall erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Wie die Stadt ihre angekündigte Rekonstruktion der Vorgänge bewertet, ob die Kommunalaufsicht tätig wird und welche Ergebnisse eine mögliche Sondersitzung des Rates bringt, bleibt abzuwarten.
Bachmann hatte sich anfangs auch als potentieller Bürgermeister-Kandidat für die kommende Kommunalwahl 2026 angekündigt, aber seine Kandidatur dann noch wieder zurückgezogen.
Garbsen-City-News wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und über neue Erkenntnisse sowie Stellungnahmen aller Beteiligten berichten.
GCN/bs















